vor 20 jahren

freitagnachmittag im büro. irgendwer will plötzlich das britney-bitch-lied hören. wir kommen auf das thema “charts”. auch wenn die knapp über zwanzigjährigen kollegen behaupten, nicht zu wissen, was da gerade angesagt ist, so fühle ich mich noch ein paar lichtjahre mehr davon entfernt, aktuelle “hits” zu kennen.

später kommt mir die idee, einfach mal zu schauen, was damals – also als sie gerade mal krabblen oder eventuell schon wackelig laufen konnten – im radio und auf partykeller-feten auf und ab und wieder zurück gespielt wurde. hier die nummer 1 hits 1993 – zwei jahrzehnte sind ja mal eine gerade zahl zum vergleich, irgendwo muss man ja anfangen – und alles, was mir dazu einfällt.
(quelle  der platzierungen http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Nummer-eins-Hits_in_Deutschland_(1993))

Captain Hollywood Project: More and More (18. Dezember 1992 – 14. Januar 1993)
kann ich mich dran erinnern, fällt mir nichts zu ein.

Charles & Eddie: Would I Lie to You (15. Januar – 21. Januar)
war auf der bravo hits 3 (glaube ich), einziger sampler, den ich je aus der reihe hatte.

Whitney Houston: I Will Always Love You  (22. Januar – 4. März)
whitney hatte mich schon ende der 80er mit ihrem whitney-album. damals noch auf kassette von der älteren schwester einer freundin überspielt (ich wollte mit jemandem tanzen, auch wenn ich den text noch nicht verstand). bodyguard finde ich bis heute nur einen mittelguten film, aber der soundtrack beeindruckte.

Ace of Base: All That She Wants (5. März – 29. April)
meine cousine, ein paar jahre älter, erzählte mir von einer neuen top-band aus schweden. bis dahin kannte ich nur roxette, konnte mich aber schnell für ace of base begeistern. und all that she wants mag ich heute noch  - tatsächlich eins der alten lieder, die ich ohne sentimentalität oder bedeutungsschwerer erinnerungen gerne höre.

Snow: Informer (30. April – 17. Juni)
wenn ich es höre, denke ich an eine gute freundin, auch noch 20 jahre später. sie mochte es damals sehr, ich sie auch – und heute immer noch.

Culture Beat: Mr. Vain  (18. Juni – 19. August)
lief auf den partys in der tanzschule. für mich einer der größten eurodance-hits.

4 Non Blondes: What’s Up (20. August – 28. Oktober)
das lied mochte ich 20 jahre lang und höre es in 20 jahren wahrscheinlich immer noch gerne.

Pet Shop Boys: Go West (29. Oktober – 18. November)
ein hit, den die pet shop boys aus meiner sicht nicht nötig hatten. erinnert mich an komische gelb-blaue helme und fußball. naja, gibt vielleicht noch schlimmeres.

Meat Loaf: I’d Do Anything for Love (But I Won’t Do That) (19. November 1993 – 20. Januar 1994)
zu diesem lied das erste mal intensiv geknutscht. sowas vergisst man nicht.
und zu anderen liedern auf der platte noch ganz andere erste male erlebt. die musik war ihm wahrscheinlich noch peinlicher als mir. dennoch war bat out of hell II eins meiner lieblingsalben – aber auch das ist 20 jahre her.

war was?

es gibt wenige momente, um auf etwas zurückzublicken, die so willkürlich sind wie der wechsel des kalenderjahres. trotzdem kurz drüber nachdenken, bevor es vorbei ist. morgen hat man dazu vielleicht schon keine lust mehr und ist eh nur noch mit vorsätzen und hoffnung auf neues und dinge endlich auf die reihe kriegen beschäftigt.

wenn mich jemand fragte, wie 2012 war, würde ich spontan blöd sagen. aber wieso? ist quatsch, war doch okay. aber was war eigentlich?

ich habe zwischendurch ein bisschen abgenommen, insgesamt aber zu. ich war an drei meeren. ich habe bis auf wenige t-shirts und ein paar schuhe keine neuen klamotten gekauft. ich war das erste mal in meinem leben in asien. ich musste mich leider von mehr menschen verabschieden als ich neue kennengelernt habe. ich habe dreimal meine kündigung aktualisiert und zweimal sogar ausgedruckt, unterschrieben und in der schublade gelagert. in meinem freundeskreis haben sich menschen getrennt, neue partner gefunden, babys bekommen. ich war das erste mal seit vielen jahren mehr als 2 tage krank. ich hatte drei bewerbungsgespräche und dreieinhalb blind dates. das klingt nach einem ereignislosen jahr, aber das muss ja nichts schlechtes heißen, denn mir ist auch nichts schlimmes passiert. ich habe mich zu oft über unwichtiges aufgeregt, konnte mich aber auch häufig an den kleinen dingen erfreuen.

ohne nachzurechnen bin ich mir sicher, dass ich dieses jahr öfter gelacht als geweint habe. und das ist doch was.

euch allen einen guten start in ein glückliches 2013 – was immer das für euch sein wird.

end

was ich ihr irgendwann erzählen will

du bist heute mutter geworden. ein großer tag. der mich an viele kleinigkeiten denken lässt.

wie wir am selben tag zum ersten mal unsere tage bekommen haben.
wie wir uns immer angerufen haben, als unsere lieblingslieder auf mtv kamen.
wie sehr ich dich um eure cd-sammlung bewundert habe.
wie wir heimlich am fenster geraucht haben.
wie wir betrunken an der bushaltestelle geknutscht haben.
wie wir mit 15 beschlossen haben uns zu siezen und es bis heute durchziehen.
wie wir im unterricht drauf waren und trotzdem unseren schulabschluss geschafft haben.
wie scheußlich ich die typen fand, mit denen du zusammen warst, weil du angst hattest allein zu sein.
wie sehr ich ihren vater mag und wie froh bin, dass du ihn gefunden hast.
wie ich deine trauzeugin war.
wie traurig ich war, als dein papa starb.
wie ich mich gefreut habe, als du erzählt hast, dass sie unterwegs ist.

das alles will ich deiner tochter irgendwann mal erzählen.

papier

seit sie etwas mehr zeit hat, entdeckt sie gerne neue ziele in der umgebung. und sie geht gerne auf flohmärkte. letztens kaufte sie auf einem bücherflohmarkt drei alte bücher zu je einem euro, eins über das bergische, zwei über das sauerland. zuhause fiel ihr beim durchblättern ein alter zeitungsartikel in die hand, der zwischen den seiten steckte. über die goldene hochzeit eines paares aus einer ortschaft in der nähe. er sei ordentlich ausgeschnitten gewesen, das paar auf dem schwarzweißen foto sah freundlich und glücklich aus. eheleute müller hatten 8 kinder und 21 enkel. als sie im telefonbuch nachschlug, sah sie, dass unter der erwähnten adresse immer noch müllers wohnten. sie schrieb einen kurzen brief, legte den zeitungsartikel dazu und schickte ihn ab.
gestern hat herr müller sie angerufen. er hat sich sehr über ihre post gefreut. den artikel aus dem jahr 1978 kannte er nicht und bedauerte, dass er ihn nicht mehr allen zeigen kann, denn drei seiner brüder sind inzwischen verstorben.

eine schöne geschichte. die sie mir per e-mail erzählte. manchmal möchte ich geschichten wie diese ausdrucken, sie in ein buch legen und hoffen, dass sie später mal auf einem flohmarkt gefunden werden.

stupsen und staunen

wir stehen in einer schlange und warten. hinter uns eine gruppe junger leute zwischen 14 und 19. obwohl, ich weiß nicht, wie alt sind denn jugendliche in dem alter heutzutage?

er: “die jacqueline und die jenny und die vanessa haben mich heute angestupst.” sie: “ich wurde heute 15 mal gestupst!” er: ” du bist ein mädchen. du musst mehr gestupst werden.”

solche gespräche hatten wir in dem alter jedenfalls nicht. und ich weiß nicht mehr, wie alt wir in dem alter waren. war aber okay.

es wird ein mädchen

“es wird ein mädchen!” nachrichten wie diese zu bekommen ist in meinem alter nichts unübliches. was besonderes wird es erst dadurch, dass es von einer der allerbesten freundinnen kommt, bei der es zu anfang der schwangerschaft nicht gerade gut lief und alles eher ungewiss war. doch heute ist alles gut und in ein paar monaten kommt einer neuer kleiner mensch auf die welt, der tolle eltern haben wird.

und dann sitze ich da und frage mich, wo die zeit geblieben ist. und über was für einen quatsch ich mir eigentlich den ganzen tag gedanken mache.

liebe, zeit, geduld und geld

manchmal erinnere ich mich an diesen augenblick, den du vielleicht gar nicht wahrgenommen hast. es ist gefühlte 1000 jahre her – aber noch immer, wenn ich dieses lied höre, sitzt du plötzlich neben mir.

im radio lief selig. leise sang ich “ich gab dir meine liebe, gab dir zeit, geduld und geld ” mit. du sagtest nur “nein, geld hast du mir nie gegeben”.

with the lights out it’s less dangerous

es ist jetzt 18 jahre und ein bisschen her – und ich will jetzt nicht darüber weinen, wie die zeit vergeht. wahrscheinlich hat mich nie vorher (z.b. freddie mercury) und nachher (z.b. amy winehouse oder withney houston) der tod einer musiklegende so stark erwischt wie seiner. wenn die leute behaupten, wir waren die generation von eurodance oder boygroups, dann weiß ich: nein, wir waren nirvana.

ich erinnere mich, wie ich nach der schule auf der alten couchgarnitur im wohnzimmer saß und erfuhr, dass es er sich mit einer schrotflinte abgemacht hatte – damals, es gab es noch mtv im free-tv, pickel und pubertät.

und ich erinnere mich daran, wie wir noch jahre später darüber redeten, was der scheiß sollte, wie sauer ich ihm bin, was wohl wäre, wenn er noch da wäre, dass ich aus nostalgie die foo fighters höre, dass wir damals trauriger und wütender waren als seine musik und alles, was noch gekommen wäre.

kurt, never mind.

7 jahre hamburg

die innige, heiße leidenschaft war es nie. eher ist es mit der zeit eine tiefe, bodenständige freundschaft geworden. und wer hätte schon gedacht, dass wir so gut miteinander auskommen.

denn meine erste wahl warst du damals nicht. ich fand dich zu eingebildet, zu kühl, zu schön, irgendwie sogar doof und ganz bestimmt nicht meins. es höchstens mal 2 jahre ausprobieren, mehr zeit hätte ich uns nicht gegeben.

aber vielleicht warst du dann die richtige wahl. denn ich fühle mich wohl, ich lebe gerne hier. ich werde dich zwar niemals komplett kennen oder vollständig lieben, aber dich immer mögen. für mich bleibst du eher elbe als alster, eher altona als hafencity, eher mercado als jungfernstieg.

heute haben wir das verflixte siebte jahr hinter uns gebracht. im moment kann ich mir nicht vorstellen dich zu verlassen, genauso wenig kann ich mir vorstellen für immer zu bleiben. wenn ich jetzt gehen würde, dann wohl nur für ein neues land oder ein neues leben.

als man ankam, wollte man werden,
die geschichte schreiben, die doofen sollen sterben,
der plan, als man damals nach hamburg kam.