Archiv der Kategorie: liebe

liebe, zeit, geduld und geld

manchmal erinnere ich mich an diesen augenblick, den du vielleicht gar nicht wahrgenommen hast. es ist gefühlte 1000 jahre her – aber noch immer, wenn ich dieses lied höre, sitzt du plötzlich neben mir.

im radio lief selig. leise sang ich “ich gab dir meine liebe, gab dir zeit, geduld und geld ” mit. du sagtest nur “nein, geld hast du mir nie gegeben”.

with the lights out it’s less dangerous

es ist jetzt 18 jahre und ein bisschen her – und ich will jetzt nicht darüber weinen, wie die zeit vergeht. wahrscheinlich hat mich nie vorher (z.b. freddie mercury) und nachher (z.b. amy winehouse oder withney houston) der tod einer musiklegende so stark erwischt wie seiner. wenn die leute behaupten, wir waren die generation von eurodance oder boygroups, dann weiß ich: nein, wir waren nirvana.

ich erinnere mich, wie ich nach der schule auf der alten couchgarnitur im wohnzimmer saß und erfuhr, dass es er sich mit einer schrotflinte abgemacht hatte – damals, es gab es noch mtv im free-tv, pickel und pubertät.

und ich erinnere mich daran, wie wir noch jahre später darüber redeten, was der scheiß sollte, wie sauer ich ihm bin, was wohl wäre, wenn er noch da wäre, dass ich aus nostalgie die foo fighters höre, dass wir damals trauriger und wütender waren als seine musik und alles, was noch gekommen wäre.

kurt, never mind.

7 jahre hamburg

die innige, heiße leidenschaft war es nie. eher ist es mit der zeit eine tiefe, bodenständige freundschaft geworden. und wer hätte schon gedacht, dass wir so gut miteinander auskommen.

denn meine erste wahl warst du damals nicht. ich fand dich zu eingebildet, zu kühl, zu schön, irgendwie sogar doof und ganz bestimmt nicht meins. es höchstens mal 2 jahre ausprobieren, mehr zeit hätte ich uns nicht gegeben.

aber vielleicht warst du dann die richtige wahl. denn ich fühle mich wohl, ich lebe gerne hier. ich werde dich zwar niemals komplett kennen oder vollständig lieben, aber dich immer mögen. für mich bleibst du eher elbe als alster, eher altona als hafencity, eher mercado als jungfernstieg.

heute haben wir das verflixte siebte jahr hinter uns gebracht. im moment kann ich mir nicht vorstellen dich zu verlassen, genauso wenig kann ich mir vorstellen für immer zu bleiben. wenn ich jetzt gehen würde, dann wohl nur für ein neues land oder ein neues leben.

als man ankam, wollte man werden,
die geschichte schreiben, die doofen sollen sterben,
der plan, als man damals nach hamburg kam.

i don’t care if monday’s blue

ich werde dann mal die nächsten montage bis 2017 oder so die augen offen halten.

roxette

ich muss ungefähr 9 gewesen sein, als meine liebe begann. eine freundin, die schon 2 klassen höher war, spielte mir ‘the look’ vor. es war liebe auf das erste na na na na na. ich wurde fan, und wenn fan von fanatisch kommt, war ich vielleicht noch nie fan von etwas anderem. wir überspielten damals unsere alten regina regenbogen oder benjamin blümchen kassetten. dabei mussten wir immer ein paar lieder weglassen, die wir erst ein paar jahre später entdeckten, als wir endlich die cds hatten.

es geht gar nicht darum, ob die musik von roxette gut oder schlecht ist. es geht nur darum, was ich dabei empfinde. und das ist immer gut. von wie vielen dingen kann man das schon behaupten? wenn es mir schlecht geht, höre ich noch heute ab und zu die ‘look sharp’ oder ‘joyride’. dann geht es mir besser. ich denke nicht darüber nach, wieso das so ist; es ist einfach so.

ich hatte mich schon so schrecklich lange so unendlich auf das konzert gefreut. am ende sogar so sehr, dass ich angst hatte, enttäuscht zu werden. denn nicht vieles ist peinlicher als alternde stars, die ihre beste zeit hinter sich haben und nach jahrzenten immer noch ihre alten hits singen müssen. ich meine, was würde passieren, wenn auf einmal all meine schönen gefühle an nur einem abend nichtig gemacht würden? beim warten vor der bühne war ich aufgeregter als vor einem ersten date oder einem bewerbungsgespräch, wenn man es überhaupt mit irgendwas vergleichen kann.

und dann standen sie plötzlich da: meine marie, mein per. ja, sie sind mindestens so alt geworden wie meine erinnerungen. aber meine gänsehaut und meine feuchten augen waren in diesem moment frischer als je zuvor.

für papa

du bist nicht reich, gebildet oder ein held. du solltest und wolltest schon lange mit dem rauchen aufhören. du solltest auf dein cholesterin achten. es geht dir am arsch vorbei. du arbeitest hart und freust dich auf deine rente. ich kenne nicht viele menschen, die einfach auch mal zufrieden sind.

du schenktest mir liebe, aufmerksamkeit und mein erstes schraubenzieher-set. egal, ob wir fussball oder bud spencer und terence hill gesehen oder stundenlang miteinander auto gefahren sind, auch wenn wir mal gemeinsam schwiegen, war es nie unangenehm. du warst bei jedem meiner umzüge dabei. du nahmst mich als kind mit ins stadion. ich kann dich immer anrufen, wenn ich das mit der steuer nicht verstehe oder nicht weiß, welche wandfarbe ich brauche.

den dicken hintern habe ich von mama, die gelassenheit und den pragmatismus von dir. du stellst keine unnötigen fragen, aber hörst interessiert zu, wenn ich mal erzähle. schon in meiner jugend sahst du stillschweigend und diskret über alkoholexzesse oder fremde jungs hinweg, die morgens heimlich das haus verließen. deine liebe ist bodenständig. du brauchst nicht viele worte, ich habe auch immer ohne gespürt, wie wichtig dir etwas ist.

wenn mama mal wieder von enkelkindern schwärmt, rufst du nur aus dem hintergrund, dass die dicke nahles doch auch erst mit 40 mutter geworden ist. denn auch wenn ich deine augen beim anblick von kleinen potentiellen enkeln leuchten sehe, so forderst du nie irgendwas von mir. selbst wenn du vielleicht nicht immer verstehst, was ich da mit diesem internet mache, wie gut ich in dieser großen stadt klarkomme oder wie man ohne eine leiter leben kann, bist du stolz auf dein mädchen. uneingeschränkt. immer.

weil du mich irgendwie zum besten jungen gemacht hast, der man als mädchen werden kann, weil du mich trotzdem immer ‘mädchen’ nennen wirst, weil du jedem entgegnen würdest ‘ach lass sie doch’.

für all das und alles andere habe ich dich lieb. uneingeschränkt. immer.

doch fußball ist immer noch wichtig

wieso ich fußball mag – ganz genau weiß ich es nicht.

vielleicht weil papa mich in ermangelung eines männlichen erstgeborenen als kleines kind immer mit ins stadion nahm. es war aufregend, ich bekam cola und bratwurst; das kleine mädchen stand in dem großen stadion zwischen all den grölenden männern und war glücklich.

vielleicht weil es ein so viel schöneres thema für small talk ist als das wetter.

vielleicht weil es wenig spannenderes gibt als samstagnachmittags internet, radio und fernsehen zu meiden, um bloß keine ergebnisse vor der sportschau mitzubekommen.

vielleicht weil man bei keinem anderen thema gesellschaftlich angesehen so emotional sein darf.

vielleicht weil man leute anhand ihrer lieblingsmannschaft manchmal noch schneller einordnen kann als bei ihrer lieblingsband.

vielleicht weil für 90 minuten einfach mal etwas völlig unbedeutendes das wichtigste ist.

vielleicht weil sich das leben verändert und nichts bleibt wie es war. doch fußball ist immer noch wichtig.

auch kleine jungs werden groß

du hast heute geburtstag, deinen 23. ich erinnere mich noch gut an deine geburt. ich war schon 8 und erzählte meiner klassenlehrerin stolz, dass ich einen kleinen bruder bekomme. eine kleine nervige schwester hatte ich ja schon. und ich weiß noch, wie diese monatelange ausgerastet ist, weil sie auch eine kleine schwester wollte. manchmal zogen wir dir kleider unserer babypuppe an. sie schrie, du seist kein junge, du hießest maria.

als du 10 warst und mal auf der autorückbank weintest und wir lachten, meintest du „was kann ich denn dafür, dass ich so schwul erzogen bin?!“ ich hoffe es waren nicht wir mit den puppenkleidern. aber am ende weiß ich, dass die älteren schwestern dir gut getan haben: tampons, zickigsein und gefühle – das schockt dich nicht.

ich kann mich an dein ganzes leben erinnern. und als du 18 wurdest, als du abi machtest, als du das erste mal verlassen wurdest… immer fühlte ich mich so alt. aber weißt du noch, als wir klein waren? wir haben uns geprügelt und es war mir egal, dass ich größer war. heute weiß ich, es hat unserer beziehung nicht geschadet.

du bist jung, aber weise. du bist unbeschwert, aber mitfühlend. ich liebe dich, auch wenn du deinen koffer im zug vergisst, mama zur weißglut bringst und nicht häufig schreibst. wegen mir hörst du nirvana, wegen dir hör ich clueso.

auch falls du dies nie lesen wirst, möchte ich dir sagen: du bist gut so wie du bist, und mehr als irgendwem überhaupt wünsche ich dir alles glück, das es gibt.

happy birthday.